DPEM 2026 in Dresden

Vom 16.07 bis zum 26.07 fand in Dresden der diesjährige Schachgipfel statt. Neben einer Reihe von bedeutenden deutschen Meisterschaften wurde
auch die Endrunde des Dähnepokals (DPEM) ausgetragen – 32 Spieler und das vertraute K.O.-system, bis am Ende nur einer übrig blieb.
Wer durch alle Turniere klicken und dutzende Berichte lesen möchte, kann dies auf https://www.schachgipfel.de/ tun.
Viele der Toppartien sind auf Lichess zu finden, z.B. hier
https://lichess.org/broadcast/german-chess-championship-2026-masters-men/round-1/vBaOuYrN#boards.

Nachdem ich auf NRW-Ebene das Finale erreicht hatte, war ich auch für die Endrunde in Dresden qualifiziert. Die Matchformalitäten sind denen auf den
vorherigen Ebenen sehr ähnlich: Eine Partie (90min/40Züge + 15min/Rest)+30s/Zug im K.O.-system, bei Unentschieden gibt es ein zweiründiges 3+2 Blitzmatch.
Endet auch dieses mit einem Unentschieden, folgen noch zwei Sudden Death Blitzpartien, sobald jemand gewinnt ist das Match vorbei.
Enden auch diese beiden Partien Remis, folgt eine letzte Armageddonpartie. Das ganze Turnier über wurden die Paarungen zufällig gelost, mit
Warbfechselpriorität wo es möglich war. Wer seine Partie verlor wechselte nahtlos in ein Verliererturnier im Schweizer System über, das die Plätze ab dem 3.
für die DPEM ausspielte.

Das Turnier begann im Donnerstag um 10 Uhr, also reisten Phillip und ich bereits am Mittwochabend an. Abends wurde geblitzt und der Spielsaal erkundet,
bevor am nächsten Morgen die erste Partie gespielt wurde. Da erst am Morgen vor Ort gelost wurde, gab es keine Vorbereitung zu erledigen.
Mir war das Losglück hold und ich durfte in der 1. Runde gegen einen jugendlichen 2050er antreten. Der Vollständigkeit halber gebe ich alle Partien
vollständig an. Wer sich einige Stellungen zum Training vornehmen möchte, dem empfehle ich aus der ersten Partie das Endspiel nach der (nicht gespielten)
Annahme des Qualitätsopfers (17. Sxd5), das potentielle Damenopfer in der dritten Partie (13. bTxd1) und das Turmendspiel aus der fünften und letzten Partie.
Solche Stellungen kann man durchaus im stillen Kämmerchen analysieren, aber besser ist wohl die gemeinsame Analyse nebst (Blitz-)Praxistest
beim gemeinsamen Training am Freitag.

Damit war ich also im Turnier angekommen! Die Partie lief insgesamt recht glatt und die Nachmittagsrunde konnte kommen.  Das sich die als recht zäh erweisen würde, war schon kurz nach Auslosung vor Rundenbeginn klar. 

Es musste also geblitzt werden. Da mein Gegner mit 6. … La5 bereits Remis bot ging ich davon aus, das er ein guter Blitzer ist.  Nach einer kurzen Pause und einer technischen Besprechung mit dem Schiedsrichter ging es an ein, etwas abseits gelegenes, freies Brett und unter Argusaugen schüttelten wir uns die Hände zur ersten Blitzpartie. Zuerst hatte ich Schwarz, und wurde völlig zusammen geschoben. In einer benkoartigen Stellung gelang Tom der klassische e5-Durchbruch und er erhielt zwei Freibauern, sowie eine Mehrqualität. Das durch das Qualitätsopfer erzeugte Gegenspiel war zwar existent, aber eigentlich nicht ausreichend. Glücklicherweise wollte Tom die Partie recht verbissen gewinnen und opferte insgesamt drei Bauern um einem Dauerschach durch aktive Dame auszuweichen. Durch eine weitere mekrwürdige Transformation gelangten wir in das klassische 2×2 verbundene Freibauern (g,h und b,c) vs Turm. Mit nur wenigen Sekunden auf der Uhr erspähte Tom in diesem Endspiel keine sinnvolle Verteidigung und gab auf. In der zweiten Partie war er also unter Zugzwang und mir reichte ein Remis. Mit den weißen Steinen legte ich die Partie nicht sonderlich scharf an und Tom wählte außerdem eine Variante, in der wir sehr lange der Theorie folgen konnten. Durch seinen Versuch Komplikationen zu erzeugen geriet ich allerdings in Vorteil und konnte auch die zweite Partie gewinnen. Beide Partien waren spannend, auch wenn das Matchergebnis von 2-0 für mich hinterher einseitig aussah.

Damit war ich schon unter den letzten 8 angekommen. Am nächsten Morgen sollte es gegen Michael gehen, der leider diverseste Zugreihenfolgen um c4/d4 oder Doppelfianchettoaufbauten spielt. Dank meiner Gegner in der Oberliga und anderen starken Spielern, die Theorie vermeiden wollen, habe ich derartige Aufbauten mittlerweile häufig gesehen, die Vorbereitung fiel also wieder eher kurz aus.

Rückblickend hätte ich das auf dieses Remis folgende Stechen sehr gerne an einem DGTbrett gespielt, die Partien waren völliger Wahnsinn. Zuerst hatte ich Weiß und nachdem die Stellung lange Zeit ausgeglichen blieb, übertrumpfte mich Michael sauber in einem Endspiel. Langsamer Druck, aktiverer König, Raumvorteil an beiden Flügeln, …. Also musste mit Schwarz ein Sieg auf Ansage her, um im Turnier zu bleiben. Michael wählte ein Art Katalanischaufbau (c4-d4-kurze Rochade) und ich riss alle Brücken hinter mir ab, als ich einen Angriff der Bauart e5-f4-Sg4 startete. Nach diversen, sicherlich völlig inkorrekten, Figurenopfern konnte ich den König ins Freie zerren und Michael sah keinen anderen Ausweg, als massiv viel Material zurück zu geben um dem Matt auszuweichen. Das war allerdings genug, um die Partie entspannt zu gewinnen. Also ging es zum ersten Mal in´s Sudden Death, wieder zuerst mit den weißen Steinen. Mit großem
psychologischen Vorteil auf meiner Seite, wählte Michael eine anderen (aktiveren) Aufbau mit Schwarz. Allerdings lächelte Caissa ab dieser Sudden Death Partie und ich konnte am Ende der Eröffnung, durch ein listiges Schach in einer Abwicklung, eine ganze Figur gewinnen. Das war ausreichend, da außerdem flott die Damen getauscht werden konnten.

Nach dem Mittagessen stand ich also im Halbfinale. Dieses Mal sogar vorbereitet, auch wenn meine Prep selbstverständlich nicht auf´s Brett kam. Wie ich schon erwähnte lächelte Caissa auf den Rest meines Tages …

Recht früh war außerdem klar, dass Sebastian das andere Halbfinale gewinnen würde. Meine Hoffnung auf eine Weißpartie war gering, da der stärkere Spieler im Zweifelsfall den Farbwechsel hat. Also durfte ich bei fünf Runden ein viertes Mal mit den schwarzen Steinen antreten. Dank Vorbereitung war klar, das Sebastian ausgesprochen kreative Eröffnungen spielt. Wer eine Kostprobe möchte, kann sich diese Partie anschauen: https://chesstempo.com/game-database/game/sebastian-boehme-vs-hagen-poetsch/6225215/32. 1. b4 Spielern ist das Motiv hoffentlihch vertraut, trotzdem ist es immer wieder schön, die Idee auf dem Brett zu sehen. Auch mich überspielte Sebastian in der Eröffnung, aber seht selbst:

So schlecht, wie ich die Eröffnung spielte, so aktiv und kreativ hielt ich das Endspiel. Sebastian hat, völlig zu Recht, nach 36. … Tg1+ noch eine Weile lang versucht zu gewinnen, aber die Stellung ist objektiv Remis. Dank großem Glück durfte ich also um den DPEM-Titel stechen!

In der ersten Partie wiederholten wir die Variante aus der Partie, dank eines Vögelchens aber mit der deutlich präziseren Variante 9. … c6 aus der Anmerkung. Das Bauernopfer ist spannend und war Sebastians Vorbereitung für die Partie. Seine große Aktivität konnte er mit wenig Zeit allerdings nicht ausnutzen und wir landeten in einem Endspiel S vs L mit Mehrbauern für mich. Mittlerweile in beiderseitiger Zeitnot konnte der Läufer allerdings eine Bauerninsel angreifen und einsammeln, dabei aber gleichzeitg einen Blick auf meinen zum Freibauern gewordenen Mehrbauern halten. Zwei weitere Ungenauigkeiten später konnte Sebastian einen vollenPunkt verbuchen. Genau wie gegen Michael musste also wieder ein Pflichtsieg her, dieses Mal jedoch mit Weiß. Mein Gegner wählte ein ruhiges Grünfeldabspiel. Im entstehenden Endspiel habe ich viel versucht, aber nie ernsthaft Druck aufbauen können.

Damit stand FM Sebastian Böhme als Sieger der DPEM fest – herzlichen Glückwunsch (solltest du diese Worte irgendwann lesen)!

Als Verlierer des Finales landete ich ohne weitere Partien auf dem zweiten Platz. Leider qualifiziert sich nur der Erste für das Kandidatenturnier der DEM im nächsten Jahr, aber vielleicht gibt es freie Plätze für Nachrücker. Abends bei der Siegerehrung gab es eine feierliche Übergabe samt Buffet und am Sonntag ging es wieder in die Heimat. Aktuell läuft der Pokal bereits wieder, am morgigen Freitag steht das Viertelfinale an. Wenn alles glatt läuft, darf ich nächstes Jahr vielleicht wieder vom Schachgipfel berichten. Bereits fest steht der Austragungsort in Stuttgart und das Zeitfenster 23.07. – 01.08.2027. 

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