Deutsche Schulschachmeisterschaft der WK II

4.5.-7.5.2000 in Finsterbergen (Thü)

Zum vierten Mal in Folge wird die Schulmannschaft der Geschwister-Scholl-Gesamtschule Deutscher Meister !!

(Christian Goldschmidt) Das Besondere an dieser Meisterschaft ist allerdings, daß sie absolut unerwartet war. Denn mit Arkadij und Irina Naiditsch nahmen unsere beiden Spitzenspieler nicht teil. So war die Mannschaft nur an sechster Stelle gesetzt. Allen voran das Sportgymnasium Dresden mit einem Wertungschnitt von fast 2000. Außerdem waren am Start die Landsschule Hanau  mit Spitzenspieler Hendrik Schaffer. Geretsried nahm teil, alte Bekannte aus Bayern mit Spitzenspieler Martin Motl. Ebenso vertreten war das Gymnasium HH-Barmbek. Der Kern dieser Mannschaft wurde Deutscher Meister U16 in Dörnfeld. Mit Sicherheit war dies die stärkste Schulmeisterschaft an der wir je teilgenommen haben. So war denn auch die erste zuversichtliche Reaktion in der Mannschaft bei der Ansicht der Setzliste: "Wir werden hier sowas von abkacken..." Schlechte Erinnerungen an die DVM in Dörnfeld kamen auf. Anders als in Dörnfeld war die Unterkunft jedoch absolute Spitze: Einzel- und Doppelzimmer jeweils mit Dusche und Fernseher in einem 3-Sterne-Hotel! So eine gute Unterkunft haben wir bei einer Jugendmeisterschaft noch nicht erlebt.

Die erste Runde bescherte ein vermeintlich leichtes Los. Zuerst sah auch alles nach einem klaren Sieg aus, dann verlor Sven jedoch  in Gewinstellung einen Turm und Heiko stand ohnehin total platt. Sein Gegner fand jedoch noch einen Pattweg! Den Vogel schoß dann der Schiedsrichter ab: "Warum spielt ihr nicht weiter? Wo ist der König?"

      Neustadt                  1329 -  Dortmund                  1683 1½  -  2½ 
  1   Zimmermann,Andre          1772 -  Retta,Thorben             1833  0  -   1 
  2   Koch,Daniel               1617 -  Litwak,Aleksej            1847  0  -   1 
  3   Catizone,Fabiano          1458 -  Krüger,Sven               1526  1  -   0 
  4   Gleißner,Andreas           904 -  Preckwinkel,Heiko         1526  ½  -   ½ 

Die zweite Runde bescherte ein echt leichtes Los mit Sömmerda aus Thüringen. Nur Thorben leistete sich einen Schnitzer mit dem Remis gegen das Turnierküken (DWZ 546).

  1   Dortmund                  1683 -  Sömmerda                   925  3  -   1 
  1   Retta,Thorben             1833 -  Kruckow,Matthias           546  ½  -   ½ 
  2   Litwak,Aleksej            1847 -  Kühn,Karsten              1218  1  -   0 
  3   Krüger,Sven               1526 -  Tröstrum,Martin           1062  ½  -   ½ 
  4   Preckwinkel,Heiko         1526 -  Vibrans,Paul               872  1  -   0 

In der dritten Runde trafen wir auf Hannover. Obwohl die Niedersachsen von der Wertung her favorisiert waren, stellten sie sich mit ihrer taktischen Aufstellung selbst ein Bein zum 2-2. Taktisch stellten übrigens mehrere Mannschaften auf, möglicherweise als Anti-Arkadij-Gambit, was jedoch ausnahmslos nach hinten losging.

      Hannover                  1615 -  Dortmund                  1683  2  -   2                                                                           
  1   Hagemann,Jörn             1148 -  Retta,Thorben             1833  0  -   1 
  2   de Wiljes,Jan-Hendrik     2091 -  Litwak,Aleksej            1847  1  -   0 
  3   Rinke,Nils                1743 -  Krüger,Sven               1526  0  -   1 
  4   Ly,Kim-Long               1477 -  Preckwinkel,Heiko         1526  1  -   0 

So überstanden wir den ersten Tag mit einigem Glück als geteilter Tabellenführer. Als wir beim anschließenden Mannschaftsblitzturnier auch noch den zweiten Platz  hinter Dresden belegen konnten, war die Zuversicht wieder da.

Am nächsten Morgen hatten wir wieder ein Glückslos. Statt gegen Hanau oder Dresden trafen wir auf Altenholz aus Schleswig-Holstein, die mit 3-1 geschlagen wurden, Nur Heiko hatte einen schlechten Tag, er verlor an diesem Tag alle Partien.

                                                                            
  2   Dortmund                  1683 -  Altenholz                 1558  3  -   1 
  1   Retta,Thorben             1833 -  Schinkowski,Christoph     1648  1  -   0 
  2   Litwak,Aleksej            1847 -  Hintz,Bastian             1655  1  -   0 
  3   Krüger,Sven               1526 -  Niewerth,Stephan          1671  1  -   0 
  4   Preckwinkel,Heiko         1526 -  Terwitte,Johannes         1469  0  -   1 

Nach diesem Kampf führten wir mit einem Punkt Vorsprung. Wieder kamen wir nicht gegen Dresden, sondern gegen Hanau. Hätten die Hessen nicht taktisch aufgestellt, wären unsere Chancen erheblich schlechter gewesen. Vermutlich hatte Aleks am zweiten Brett einen besseren Gegnerschnitt als Thorben an Brett 1. So erreichten wir ein sicheres 2-2.

                                                                                 
  1   Hanau                     1758 -  Dortmund                  1683  2  -   2 
  1   Becker,Natalie            1376 -  Retta,Thorben             1833  0  -   1 
  2   Schaffer,Hendrik          2113 -  Litwak,Aleksej            1847  1  -   0 
  3   Becker,Michael            1856 -  Krüger,Sven               1526  0  -   1 
  4   Hildebrand,Dominic        1686 -  Preckwinkel,Heiko         1526  1  -   0 

In der letzten Runde des zweiten Tages kam es dann doch zum unvermeidlichen Showdown gegen Dresden. Wir hofften auf die schon beim Blitzen beobachtete Nervenschwäche der Dresdner, besonders an Brett 4. Der Kampf ging auch über die volle Distanz. Dann verlor Heiko ausgerechnet gegen den Schwachpunkt der Dresdner am vierten Brett. Das glich Thorben mit seinem sauberen Sieg über Volker Seifert aus. Aber die anderen beiden Partien standen nicht zum Besten, als die heiße Zeitnotphase einsetzte. Wie erhofft, verloren aber beide Dresdner Nerven und Übersicht und stellten ihre Partien weg.

                                                                            
  1   Dortmund                  1683 -  Dresden                   1950  3  -   1 
  1   Retta,Thorben             1833 -  Seifert,Volker            2108  1  -   0 
  2   Litwak,Aleksej            1847 -  Hoffmann,Paul             2154  1  -   0 
  3   Krüger,Sven               1526 -  Martin,Uwe                1849  1  -   0 
  4   Preckwinkel,Heiko         1526 -  Seifert,Frank             1689  0  -   1 

Mit Dresden wurde der härteste Konkurrent geschlagen, aber trotz einem Punkt Vorsprung war noch nichts erreicht. Bei einer Niederlage in der letzten Runde hätten wir noch auf den 5.Platz abstürzen können. Und der Schlußrundengegner Zeulenroda mit Thomas Liebold an Brett 1 mit über 2100 DWZ war äußerst gefährlich. Sollte Thorben erwartungsgemäß verlieren und sich Heikos schwarze Serie fortsetzen, könnte schon alles aus sein, weil auch ein 2-2 nicht sicher reichte. In dieser Situation kam Heikos Comeback mit einem furiosen Marshallangriff. Aleks und Sven standen allerdings gar nicht berauschend und Thorben stellte eine Qualität ein. Statt jedoch ihre Chance zu nutzen, mit einem Sieg an uns vorbeizuziehen, boten die Thüringer unglaublicherweise ein 2-2 an, das wir sofort annahmen. Jetzt konnte uns nur noch Hanau mit einem Sieg gegen Hamburg überholen. Hier rächte sich zum letzten Mal die taktische Aufstellung der Hessen, die über ein 2-2 nicht hinauskamen.

                                                                       
  1   Zeulenroda                1639 -  Dortmund                  1683  2  -   2 
  1   Liebold,Thomas            2157 -  Retta,Thorben             1833  1  -   0 
  2   Barth,Christian           1465 -  Litwak,Aleksej            1847  ½  -   ½ 
  3   Wolf,Christian            1531 -  Krüger,Sven               1526  ½  -   ½ 
  4   Ahnert,Toni               1402 -  Preckwinkel,Heiko         1526  0  -   1 

Und schon wieder Deutscher Meister SFB !!

Endstand

 Rang   Mannschaft          TWZ     S  R  V      MP        BP      BH
   1.   Dortmund           1683     4  3  0   11  -  3    17.5    59.0  
   2.   Hannover           1615     4  2  1   10  -  4    17.5    52.0  
   3.   Hanau              1758     3  4  0   10  -  4    16.0    62.0  
   4.   Zeulenroda         1639     4  1  2   9   -  5    18.5    55.0  
   5.   Dresden            1950     3  3  1   9   -  5    16.5    60.0  
   6.   Barmbek            1684     3  2  2   8   -  6    16.5    57.0  
   7.   Geretsried         1717     3  2  2   8   -  6    16.0    47.0  
   8.   Neustadt           1329     3  1  3   7   -  7    15.5    44.0  
   9.   Merseburg          1374     3  1  3   7   -  7    15.0    49.0  
  10.   Altenholz          1558     2  3  2   7   -  7    14.5    54.0  
  11.   Ingelheim          1604     3  1  3   7   -  7    14.0    55.0  
  12.   Husum              1302     3  1  3   7   -  7    14.0    37.0  
  13.   Sömmerda            925     3  1  3   7   -  7    13.5    49.0  
  14.   Illingen           1496     2  2  3   6   -  8    13.5    36.0  
  15.   Waldshut           1718     2  2  3   6   -  8    12.5    47.0  
  16.   Münchingen         1112     2  1  4   5   -  9    13.0    36.0  
  17.   Hermannsburg       1283     1  0  6   2   -  12    8.0    38.0  

Das Turnier wird zwar trotz anderslautender Ankündigung nicht ausgewertet, aber die hypothetische DWZ-Auswertung ist trotzdem aufschlußreich:

                                              17.5  16.36                                  
  1. Retta,Thorben                1833  1513   5.5   4.70  7   16 /  5  1743     1860    27
  2. Litwak,Aleksej               1847  1693   4.5   4.48  7   17 /  5  1795     1847     0
  3. Krüger,Sven                  1526  1596   5.0   2.81  7   10 /  5  1754 *   1628   102
  4. Preckwinkel,Heiko            1526  1357   2.5   4.37  7   10 /  5  1255     1439   -87

Thorben und Heiko spielten solide, tatsächlich hatte Aleks im Schnitt die stärksten Gegner. Sven übererfüllte sein Soll und war damit ein Garant für den Erfolg. Heiko schwächelte, machte aber zum Ausgleich den wichtigsten Punkt in der Schlußrunde gegen Zeulenroda.