DEM 2003 7.-15. Juni in Willingen (Upland)
Deutscher Meister U10
Patrick Zelbel
Sage und schreibe
14 (Vierzehn!) Deutsche Meistertitel haben die Schachfreunde Brackel in den
letzten 6 Jahren erworben, aber bisher war nie ein Einzeltitel dabei. Diesen
Zustand beendete nun Patrick Zelbel, seines Zeichens jüngster
Damendiplominhaber aller Zeiten ;-)
Bei der Deutschen
Jugendeinzelmeisterschaft im sauerländischen Willingen konnte Patrick
die Altersklasse U10 im Sturmlauf erobern und dabei eine Reihe hochgehandelter
Favoriten hinter sich lassen.
Nach dem guten Abschneiden im Vorjahr als Dritter seines Jahrgangs war Patrick
für die diesjährige DEM vorberechtigt und mußte keine
Qualifikation oder Nominierung durchlaufen. Dadurch war eine langfristige
und gezielte Vorbereitung auf das Turnier möglich.
1. Tag
Gleich zu Beginn stand eine Doppelrunde an. An fünfter Stelle unter
den 90 Teilnehmern gesetzt waren für die ersten Runden schwächere
Gegner zu erwarten, aber der Auftakt war mühsam. Der Thüringer
machte Patrick mit einer spanischen Abtauschvariante Probleme und erst im
Turmendspiel ("Turmendspiele brauchen wir nicht! Die kommen doch nie vor!")
konnte der Punkt eingefahren werden. Diese Eröffnungsprobleme sollten
sich später noch als heilsam herausstellen, denn zwei weitere Gegner
wählten diese Variante, vermutlich bauend auf Patricks Erstrundenpartie.
In Runde 2 gelang ein Kurzsieg gegen Julius Giesler. Ein wertvoller Punkt,
wie sich am Ende herausstellte, denn der Freiburger wurde schließlich
Fünfter.
2. Tag
Auch am Pfingstmontag war eine Doppelrunde angesetzt, die Patrick anscheinend
schnell hinter sich bringen wollte, denn beide Gegner wurden geradezu
überrannt. Nun hatten nur noch drei Spieler die volle Punktzahl auf
dem Konto.
3. Tag
Nur ein einziges Spiel, aber das hatte es in sich. Mit Oliver Mihok wartete
die Rangnummer Zwei und einziger deutscher U10 Eloträger am ersten Tisch
auf Patrick. Dazu mußte er noch mit Schwarz spielen. Die Vorbereitung
ließ vermuten, daß der kleine Brandenburger auch auf die spanische
Abtauschvariante zurückgreifen würde. Nach dem Motto "Bereite dich
auf dich selbst vor" wurden die Probleme abgestellt und Patrick gewann. Ab
sofort hatte er einen halben Punkt Vorsprung und verließ das erste
Brett bis zum Schluß nicht mehr, aber Oliver blieb der hartnäckigste
Verfolger.
4. Tag
Wieder eine Doppelrunde in der Patrick nun seinen Tabellenplatz verteidigen
mußte. Gegen Raphael Weber wählten wir Patricks zweites "Standbein"
mit der Ponziani-Eröffnung , die auch gleich einschlug. Anschließend
mußte er gegen das beste Mädchen im Turnier Anna Endreß
nochmal die spanische Abtauschvariante diskutieren, danach kam das nicht
wieder aufs Brett. Nach sieben Runden hatte Patrick nun schon einen ganzen
Punkt Vorsprung und ernsthafte Titelhoffnungen keimten auf.
5. Tag
Mit Alexander Jussupow, dem Sohn des bekannten Großmeisters, stand
wieder ein schweres Spiel an und erste Anzeichen von Nervosität machten
sich angesichts des greifbar nahen Titelgewinns bemerkbar. Nach einer Serie
von "zweitbesten" Zügen stand Patrick mit dem Rücken zur Wand,
aber der junge Bayer übersah eine entscheidende Grundreihenschwäche
und diese Chance ließ sich Patrick nicht entgehen. Damit war der zweite
große Konkurrent geschlagen. Blieben aber noch zwei weitere.
6. Tag
Statt mit einem ganzen Punkt Vorsprung an Sicherheit zu gewinnen, nahm das
Nervenflattern zu. Gegen Alexander Schäfer (Ranglistendritter) stand
Patrick nach einer Serie von schlechten Zügen sogar platt, bevor er
das Blatt im Turmendspiel (die bekanntlich nie vorkommen) mit viel Glück
noch wenden konnte. Dabei übersah der Gegner sogar eine dreimalige
Stellungswiederholung. Gleichzeitig ließ Verfolger Mihok noch einen
halben Punkt liegen und Patricks Vorsprung belief sich mittlerweile auf 1,5
Punkte. In der zehnten Runde traf er endlich auf den Ranglistenersten Felix
Graf, der aber bereits früh zwei Punkte im Turnier abgab und das Zittern
der letzten beiden Spiele setzte sich fort. Diesmal zog Patrick den
Kürzeren. Damit schmolz der Vorsprung wieder auf einen halben Punkt,
aber alle namhaften Gegner waren überstanden.
7. Tag
In der letzten Runde mußte der Vorsprung gegen Machmud Gadschisade
verteidigt werden. "Mammut" war als Mitglied der NRW-Delegation praktisch
ein Teamkollege, aber ein freundschaftliches Remis kam erst mal nicht in
Frage, weil die Feinwertung das nicht hergab. Erst als Verfolger Mihok am
zweiten Brett schwächelte und ein überraschendes Remis abgab, reichte
Patrick die Punkteteilung, die er dann auch trotz bereits deutlichem
Stellungsvorteils anbot und damit den Titel sicherte.
Pl. Teilnehmer TWZ Verein/Ort Land G U V Pkte Bh1 Bh2
1. Zelbel,Patrick 1595 SF Brackel 30 NRW 9 1 1 9,5 82,5 818,5
2. Mihok,Oliver 1913 Glück auf Rüdersdorf BRA 8 2 1 9,0 78,0 803,0
3. Graf,Felix 1805 SK Kriegshaber BAY 7 3 1 8,5 81,5 805,5
4. Gadschisade,Machmud 1428 SG Porz NRW 6 4 1 8,0 78,5 799,5
5. Giesler,Julius 1243 SK Freiburg-Wiehre BAD 6 4 1 8,0 74,5 747,0
6. Billing,Alexander 1333 SC Schwabmünchen BAY 7 1 3 7,5 79,5 765,0
7. Weber,Raphael 1250 SK 26 Ettlingen BAD 6 3 2 7,5 77,0 790,0
8. Schäfer,Alexander 1646 SpVgg Rommelshausen WÜR 6 3 2 7,5 76,5 775,5
9. Friedrich,Wiede 95 1431 USV Potsdam BRA 7 1 3 7,5 73,5 743,0
10. Lobmeyer,Fabian 1316 Spvgg Renningen WÜR 6 3 2 7,5 72,0 751,5
11. Wittke,René 94 1438 SF Lieme NRW 7 1 3 7,5 61,0 681,0
12. Schmitt,Philipp 1458 SF Bad Mergentheim BAD 6 2 3 7,0 73,0 734,0
13. Jussupow,Alexander 1605 SK Krumbach BAY 6 2 3 7,0 72,0 741,5
14. Endreß,Anna w 1573 SV Worms 1878 RLP 7 0 4 7,0 70,0 738,5
15. Huhnstock,Rico 1311 SC Hertha Karstädt MVP 5 4 2 7,0 68,5 743,0
16. Zivkovic,Djordje 1259 Schwabinger SG BAY 7 0 4 7,0 66,0 730,0
17. Grimm,Pascal 1246 SC Postbauer-Heng BAY 6 2 3 7,0 66,0 718,0
18. Höfer,Michael 1003 SC 13 Fischbach SAA 6 2 3 7,0 63,5 702,5
19. Specht,Christian 1327 SC Flörsheim 21 HES 6 2 3 7,0 59,5 696,0
20. Wilke,Friedrich 1340 SK Zehlendorf BER 6 1 4 6,5 74,0 757,0
21. Blübaum,Johanna w 1243 SV KS Lemgo NRW 6 1 4 6,5 71,0 747,5
22. Rafayevych,Wilen 94 1301 SG A.E. Magdeburg S-A 5 3 3 6,5 70,5 738,0
23. Osmanodja,Bilgin 94 1330 USV TU Dresden SAC 6 1 4 6,5 68,0 727,5
24. Osmanodja,Filiz w96 1051 USV TU Dresden SAC 5 3 3 6,5 66,0 695,5
25. Schäfer,Simon 1059 SV Werder Bremen BRE 4 5 2 6,5 64,0 681,0
26. Kartsev,Alexander 1258 SF Brackel 30 NRW 6 1 4 6,5 63,5 703,5
insgesamt 90 Spieler
(alle Partien als PGN)
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